Rechtsformen im Überblick

In Deutschland können Existenzgründer zwischen verschiedenen gesetzlich geregelten Rechtsformen wählen, um ihre Geschäftsidee im Rahmen eines eigenen Unternehmens zu realisieren und sich damit selbständig zu machen. Darüber hinaus haben sich in der Praxis noch einige Mischformen etabliert, die vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen waren. In dem nachfolgenden Überblick werden die wichtigsten Rechtsformen mit ihren wesentlichen Merkmalen sowie Vor- und Nachteilen vorgestellt.

Inhalt:

  1. Rechtsformen im Überblick
  2. Das Einzelunternehmen
  3. Selbständig als Freiberufler
  4. Personengesellschaften im Überblick
  5. Kapitalgesellschaften im Überblick
  6. Kombination verschiedener Rechtsformen (Mischformen)
  7. Wahl der optimalen Rechtsform

1. Rechtsformen im Überblick

Der Klassiker für alleinige Existenzgründer ist das Einzelunternehmen bzw. die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit als Freiberufler. Darüber hinaus unterteilt man in Deutschland die zur Verfügung stehenden Rechtsformen grundsätzlich in Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. In beiden Gruppen gibt es mehrere unterschiedliche Rechtsformen, die sich sowohl in ihrer wirtschaftlichen Zielsetzung als auch in der rechtlichen Ausgestaltung erheblich unterscheiden.

Zu den Personengesellschaften zählen folgende Rechtsformen:

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR oder BGB-Gesellschaft)
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG),
  • Kommanditgesellschaft (KG),
  • Stille Gesellschaft und 
  • Partnerschaft.

Zu den Kapitalgesellschaften zählen folgende Rechtsformen:

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH),
  • Unternehmergesellschaft mit beschränkter Haftung (UG haftungsbeschränkt),
  • Aktiengesellschaft (AG) und 
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Darüber hinaus existieren noch folgende Mischformen, bei denen Personen- und Kapitalgesellschaften miteinander kombiniert werden, um dadurch die Vorteile der Personengesellschaften mit denen einer Kapitalgesellschaft zu nutzen. Die in der Praxis häufigsten und bekanntesten Mischformen sind:

  • GmbH & Co. KG und
  • GmbH & Still.

Ergänzend ist auf die Betriebsaufspaltung hinzuweisen, bei der ein Unternehmen bewusst oder unbewusst in eine Besitz- und Betriebsgesellschaft aufgespalten wird.

2. Das Einzelunternehmen

Das Einzelunternehmen ist der Klassiker unter den Rechtsformen in Deutschland und meist die erste Wahl für Existenzgründer, die ihre Geschäftsidee alleine (also ohne weitere Geschäftspartner) realisieren wollen.

  • Schnelle, günstige und einfache Gründung,
  • flexible Handhabung und
  • geringe Kosten, aber
  • volle Haftung des Einzelunternehmers mit seinem gesamten Vermögen.

Das sind die wesentlichen Kriterien des Einzelunternehmens. Vorteile und Nachteile des Einzelunternehmens liegen damit schon klar auf der Hand.

Das Einzelunternehmen ist die Rechtsform einer einzelnen natürlichen Person, die im Rahmen einer gewerblichen, freiberuflichen oder landwirtschaftlichen Tätigkeit selbständig tätig ist und alleine Träger von Rechten und Pflichten des Einzelunternehmens wird. Voraussetzung hierfür ist die eigenverantwortliche, nachhaltige und mit Gewinnerzielungsabsicht verfolgte unternehmerische Tätigkeit, die insbesondere beim Einzelunternehmer mit nur einem Auftraggeber oft fraglich ist (Scheinselbständigkeit). Ein gewerblicher Einzelunternehmer ist Kaufmann oder Kauffrau,

  • wenn er/sie im Handelsregister eingetragen ist oder
  • wenn das Einzelunternehmen einen nach Art und Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert.

Anhaltspunkte hierfür sind Umsatz und Gewinn des Einzelunternehmens. Überschreiten diese die Kriterien in § 141 AO, spricht dies für ein kaufmännisches Einzelunternehmen. Daneben spielen auch Umfang und Anzahl der Geschäftsvorfälle, Warenumsatz, Anzahl der Mitarbeiter oder Kunden eine Rolle. Handelt es sich bei dem Einzelunternehmen um einen nach Art und Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb, spricht man von einem , die mit ihrem Firmennamen im Handelsregister einzutragen sind.

Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens wurden bereits umrissen. Gegenüber der GmbH zeichnet sich das Einzelunternehmen vor allem durch eine schnelle, günstige und einfache Gründung, flexibles Handling und geringe Kosten im Betrieb aus. Der entscheidende Nachteil des Einzelunternehmens besteht jedoch darin, dass die Haftung der Inhaber eines Einzelunternehmens nur vertraglich beschränkt werden kann und spezifische Unternehmensrisiken somit durch eine entsprechende Haftpflichtversicherung abzusichern sind. Einzelunternehmer haften für Verbindlichkeiten aus dem Einzelunternehmen immer mit ihrem gesamten Vermögen, das für steuerrechtliche Zwecke in Privat- und Betriebsvermögen unterteilt wird.

Für die Gründung des Einzelunternehmens ist weder ein formeller Rechtsakt noch ein Mindestkapital oder eine Eintragung im Handelsregister erforderlich. Das Einzelunternehmen gründet man vielmehr automatisch mit Aufnahme der selbständigen Tätigkeit, die im Falle einer erlaubnisfreien, gewerblichen Tätigkeit nur bei der örtlich zuständigen Gemeinde anzumelden ist. Für einige gewerbliche Tätigkeiten ist jedoch eine besondere Erlaubnis zur Ausübung erforderlich. In der Praxis am häufigsten sind die gewerblichen Tätigkeiten als Makler, Bauträger, Baubetreuer, Betrieb einer Spielhalle, Hotel und Gaststätte, Bewachungsunternehmen, Handel mit Tieren oder Waffen, Betrieb von Tanzlokalen und Discos.

Hinsichtlich der Firmierung des Einzelunternehmens können im Handelsregister eingetragene Unternehmer – vorbehaltlich einer Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft – zwischen einer 

  • Personenfirma unter dem Vor- und Familiennamen,
  • einer Sachfirma unter Verwendung des Unternehmensgegenstands oder
  • einer Phantasiebezeichnung

wählen. Ist das Einzelunternehmen im Handelsregister eingetragen, ist in den Geschäftspapieren ein Hinweis auf die Rechtsform und die Eintragung ins Handelsregister erforderlich, wobei hier Abkürzungen wie "e.K.", "e.Kfm." oder "e.Kfr." ausreichend sind. Der Existenzgründer Markus Schneider könnte sein Einzelunternehmen demnach unter folgenden Firmennamen (Firmierung) führen:

  • Markus Schneider Immobilen e.K. oder 
  • Schneider Immobilien e.K.

Bei Einzelunternehmern, die einen in § 18 EStG genannten Katalogberuf, einen anerkannten ähnlichen Beruf oder eine künstlerische Tätigkeit ausüben, handelt es sich um sog. Freiberufler, die im Rahmen der Buchführung und des Steuerrechts einige Erleichterungen in Anspruch nehmen.

Der Inhaber oder die Inhaberin des Einzelunternehmens ist gleichzeitig Geschäftsführer(in) und vertritt das Einzelunternehmen nach außen. Schuldrechtliche Verträge zwischen Inhaber/in und Einzelunternehmen sind nicht erforderlich und auch nicht möglich.

Einzelunternehmer unterliegen regelmäßig der Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Im Rahmen der Einkommensteuer erfolgt die Besteuerung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder aus der freiberuflichen, künstlerischen bzw. landwirtschaftlichen Tätigkeit direkt beim Inhaber des Einzelunternehmens. Die Ermittlung der Einkünfte erfolgt in der Regel durch Betriebsvermögensvergleich, d.h. durch Aufstellung eines Jahresabschlusses, bestehend aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Im Falle einer freiberuflichen oder künstlerischen Tätigkeit bzw. bei geringen Umsätzen und Gewinnen ist gem. § 4 Abs. 3 EStG auch eine Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck (= Anlage EÜR) ausreichend. Ob ein Einzelunternehmer der Gewerbesteuer unterliegt, hängt davon ab, ob es sich um

  • einen Gewerbebetrieb oder
  • eine freiberufliche, künstlerische oder landwirtschaftliche Tätigkeit

handelt. Im Rahmen der Umsatzsteuer gelten für Einzelunternehmen die allgemeinen Grundsätze und Bestimmungen des Umsatzsteuergesetzes (UStG), unabängig davon, ob es sich um eine gewerbliche, freiberufliche, künstlerische oder landwirtschaftliche Tätigkeit handelt. Besondere Regelungen gelten nur für sog. Kleinunternehmer. 

3. Selbständig als Freiberufler

4. Personengesellschaften im Überblick

5. Kapitalgesellschaften im Überblick

6. Kombination verschiedener Rechtsformen (Mischformen)

Die Kombination unterschiedlicher Rechtsformen ist in der Praxis eine beliebte Methode, um sowohl die Vorteile der Personengesellschaften als auch die Vorteile der Kapitalgesellschaften zu nutzen. Die Motive für die Kombination von Personen- und Kapitalgesellschaften sind vielseitig. An erster Stelle sind die Möglichkeiten der Haftungsbeschränkung innerhalb einer Personengesellschaft sowie die Umgehung von Mitbestimmungs-, Publizitäts-, Rechnungslegungs- und Prüfungspflichten zu nennen. In der Praxis sind die GmbH & Co. KG, die Stille Gesellschaft und die Betriebsaufspaltung Aufspaltung in eine Besitz- und Betriebsgesellschaft anzutreffen.

a) Die Mischform der GmbH & Co. KG

Eine der beliebtesten Mischformen in Deutschland ist die GmbH & Co. KG, bei der eine GmbH die Stellung des unbeschränkt haftenden Komplementärs in einer Kommanditgesellschaft einnimmt. Etwas exotischer ist die GmbH & Co. KGaA. Im Ergebnis kann so die grundsätzlich unbeschränkte Haftung des Komplementärs in der Kommanditgesellschaft auf das Stammkapital einer GmbH beschränkt werden.

b) Stille Gesellschaft

Die Stille Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft in Form einer GmbH & Still wird in der Praxis häufig gewählt, wenn sich eine natürliche Person, eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft durch eine Vermögenseinlage an dem Unternehmen eines Dritten beteiligen will, ohne dass die Person des Kapitalgebers nach außen in Erscheinung tritt. So ist gerade die GmbH & Still ein beliebtes Modell zur flexiblen Mitarbeiterbeteiligung an einem Unternehmen, ohne die Geschäftsleitung aus der Hand zu geben.

c) Betriebsaufspaltung

Durch die Aufspaltung eines Unternehmens in eine Besitz- und eine Betriebsgesellschaft (= Betriebsaufspaltung) können wertvolle Vermögensteile dem Haftungsrisiko einer Produktions- oder Vertriebsgesellschaft entzogen werden. So lässt sich das Haftungsrisiko eines Unternehmens gewaltig reduzieren, indem Grundstücke, Maschinen oder andere besonders werthaltige Vermögensgegenstände bei einer Besitzgesellschaft (z.B. in der Rechtsform einer GbR) gehalten werden, während sie gleichzeitig einer Betriebsgesellschaft (z.B. in der Rechtsform einer GmbH) auf Basis eines Mietvertrages zur Nutzung überlassen werden.

7. Wahl der optimalen Rechtsform

Die Wahl der optimalen Rechtsform ist für Existenzgründer regelmäßig die erste Herausforderung, da die richtige Entscheidung ohne Kenntnis der wesentlichen Merkmale sowie der Vor- und Nachteile der einzelnen Rechtsformen schwierig ist. Vor der eigentlichen Entscheidung sollten sich Existenzgründer zunächst mit den wichtigsten Kriterien auseinandersetzen, die bei der Rechtsformwahl zu beachten sind:

  • Anzahl der Gründer
  • Gründungskosten und -formalitäten
  • Notwendiges Eigen- bzw. Startkapital
  • Möglichkeiten der Firmierung
  • Haftung und Haftungsbeschränkung
  • Unternehmensleitung- und kontrolle
  • Finanzierung und Aufnahme von Investoren
  • Anforderungen an die Rechnungslegung
  • Besteuerung und Steuerbelastung
  • Flexibilität bei der Unternehmensführung
  • Sicherung des Unternehmensbestandes
  • Mitbestimmungsrechte der Mitarbeiter
  • Offenlegungspflichten
  • Möglichkeiten des Exits bzw. Unternehmensverkaufs
  • Vor- und Nachteile im Krisenfall
  • Sonstige Kriterien

Die endgültige Entscheidung für die richtige Rechtsform erfolgt dann anhand der jeweiligen Bedürfnisse und Ziele der Existenzgründer.

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