Einzelunternehmen oder GmbH

Vor einer Unternehmensgründung stehen viele Existenzgründer vor der Frage, ob die Geschäftsidee im Rahmen eines Einzelunternehmens oder doch besser mit einer GmbH zu realisieren ist. Hierbei handelt es sich in der Tat um eine schwierige Frage, auf die es nicht immer eine klare Antwort gibt. Vielmehr müssen die Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmens mit den Vor- und Nachteilen einer GmbH abgewogen werden.

Die Qual der Wahl zwischen dem Einzelunternehmen und der GmbH betrifft zunächst nur solche Existenzgründer, die sich mit ihrer Geschäftsidee ohne weitere Gesellschafter selbständig machen wollen. Wer dagegen mit einem oder mehreren Partnern gemeinsam ein Unternehmen gründen will, muss sich zunächst mit der Frage "Personengesellschaft oder "Kapitalgesellschaft" auseinandersetzen. Anschließend oder im Detail geht es dann in diesen Fällen meistens um die Entscheidung, ob das Startup als

realisiert werden soll.

Natürliche Person vs. juristische Person

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Einzelunternehmen und der GmbH besteht darin, dass der Einzelunternehmer als natürliche Person agiert und Dritten gegenüber stets alleine und unbeschränkt (incl. seinem Privatvermögen) haftet. Demgegenüber handelt es sich bei der GmbH um eine juristische Person mit eigener Rechts- und Handlungsfähigkeit, wobei sie im täglichen Geschäft durch ihre Geschäftsführer nach außen vertreten wird. Ein wesentliches Merkmal der GmbH als juristische Person ist die Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen, d.h. im Falle einer GmbH-Gründung wird das Privatvermögen der Gesellschafter vor einer Haftung gegenüber Dritten abgeschirmt. Wer sich dennoch für ein Einzelunternehmen entscheidet, muss sein Privatvermögen mittels geeigneter Versicherungen gegen sämtliche Haftungsrisiken aus dem Unternehmen schützen.

Wichtige Kriterien bei der Rechtsformwahl

Bei der Wahl der Rechtsform sind zahlreiche Kriterien zu beachten, die je nach Einzelfall eine unterschiedliche Gewichtung haben. In der Praxis sind die nachfolgenden Punkte von größter Bedeutung:

  • Gründungsformalitäten und -kosten,
  • rechtsformabhängige laufende Kosten,
  • Flexibilität bei der Unternehmensführung,
  • Steuerbelastung des Unternehmers und des Unternehmens,
  • Haftungsrisiken und Haftungsbeschränkung und
  • Möglichkeiten zur Aufnahme von Investoren (Venture Capital).

Abgesehen von der grundsätzlichen Entscheidung über die richtige Rechtsform ist in jedem Fall auch darauf zu achten, dass diese an die individuellen Anforderungen des Existenzgründers anzupassen ist.

Analyse der Anforderungen an die Rechtsform

Vor der Entscheidung über die richtige Rechtsform stehen zunächst die Motive, Wünsche und Ziele des Existenzgründers im Vordergrund. Hier geht es in erster Linie um die Analyse,

  • welche Motive und Wünsche für die Existenzgründung ausschlaggebend waren und
  • welche Ziele mit der Unternehmensgründung verfolgt werden.

Im Rahmen einer Vorselektion ist dann zu untersuchen, ob sich diese Motive, Wünsche und Ziele einfacher, schneller, günstiger und sicherer mit dem Einzelunternehmen oder mit der GmbH verwirklichen lassen und ggf. welche Kompromisse einzugehen sind. In dieser Phase der Analyse können auch durchaus schon KO-Kriterien definiert werden, die einen Ausschluss der einen oder anderen Rechtsform mit sich bringen, z.B. die Kapitalaufbringung zur Gründung einer GmbH oder der zwingende Schutz des Privatvermögens (= Haftungsbeschränkung).

Anhand der folgenden Fragen lässt sich die Entscheidung über die richtige Rechtsform sehr gut vorbereiten:

Anforderungen an die Rechtsform Einzelunternehmen GmbH
Gründung alleine x x
Gründung mit mehreren Partnern   x
Gründung als Freiberufler x x
Einfache Gründung ohne Kosten und Formalien x  
Sofort loslegen x  
Eigenkapital < 1.000 Euro x  
Eigenkapital < 10.000 Euro x  
Eigenkapital > 12.500 Euro x x
Haftungsbeschränkung   x
Weitgehend flexible Unternehmensführung x  
Jahresumsatz < 17.500 Euro x  
Jahresumsatz < 50.000 Euro x x*1
Jahresumsatz > 100.000 Euro x x
Einfache Buchführung x  
Jahresabschluss als Einnahmen-Überschußrechnung x  
Öffentliche Fördermittel (z.B. Gründungszuschuss) x  
Aufnahme von Investoren (Venture Capital)  x*2 x
Firmierung unter Sach- oder Phantasiebezeichnung  x*3 x
Veröffentlichung der Jahresabschlüsse   x

Anmerkungen:

*1 Bei einem Jahresumsatz von weniger als 50.000 Euro ist zu berücksichtigen, dass die im Vergleich zum Einzelunternehmen höheren laufenden Kosten der GmbH deutlich mehr ins Gewicht fallen, wodurch die Attraktivität der Rechtsform stark abnimmt.

*2 Die Aufnahme von Investoren ist zwar auch beim Einzelunternehmen grundsätzlich möglich, aber nur in Form einer stillen Beteiligung. Zu unterscheiden sind die typisch stille Gesellschaft und die atypisch stille Gesellschaft. Potentielle Investoren werden den Inhaber jedoch eher darauf drängen, das Einzelunternehmen vor der Bereitstellung von Risikokapital in eine GmbH umzuwandeln, was in der Regel mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden ist.

*3 Unter der Voraussetzung der Eintragung des Einzelunternehmens im Handelsregister kann auch der Einzelunternehmer als Kaufmann/Kauffrau unter einer Sach- oder Phantasiebezeichnung firmieren.

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