10 Wege in die Selbständigkeit

In dem folgenden Artikel über die 10 Wege in die Selbständigkeit werden die in der Praxis relevanten Alternativen zur Neugründung eines Unternehmens dargestellt. Eine Existenzgründung muss nicht zwingend bedeuten, auf Basis einer eigenen Geschäftsidee ein neues Unternehmen von Null an aufzubauen, auch wenn dieser Weg nach wie vor am häufigsten eingeschlagen wird.

Vielmehr gibt es noch andere interessante Varianten, um sich als Unternehmer oder Freiberufler selbständig zu machen und Geld zu verdienen. Es lohnt sich daher in jedem Fall, neben der Neugründung eines Unternehmens auch die anderen Wege in die Selbständigkeit zu überdenken, die sogar durchaus ihre Vorteile haben können.

Inhalt:

  1. Unternehmensgründung mit eigener Geschäftsidee
  2. Existenzgründung als selbständiger Freiberufler
  3. Existenzgründung als freier Mitarbeiter (Freelancer)
  4. Nebenberuflich selbständig
  5. Unternehmenskauf
  6. Unternehmenspacht
  7. Franchising
  8. Existenzgründung als Handelsvertreter
  9. Beteiligung an bestehendem Unternehmen
  10. Existenzgründung im Wege der Unternehmensnachfolge

1. Unternehmensgründung mit eigener Geschäftsidee

Die Unternehmensneugründung mit einer eigenen Geschäftsidee ist nach wie vor der klassische Weg in die Selbständigkeit, der auch zahlenmäßig von den meisten Existenzgründern gewählt wird. Diese Alternative bietet neben der Existenzgründung als Freiberufler den größten persönlichen, zeitlichen und finanziellen Spielraum. Ferner entfällt das Haftungsrisiko bezüglich offener oder verdeckter Verbindlichkeiten, das insbesondere beim Unternehmenskauf zu berücksichtigen ist. Auf der anderen Seite besteht bei der Neugründung eines Unternehmens stets die Gefahr, dass sich erst im Laufe der Jahre herausstellt, dass der Existenzgründer und/oder die Geschäftsidee zu viele Schwächen besitzen. Wer sich für diesen Weg in die Selbständigkeit entscheidet, ist daher gut beraten, wenn der Existenzgründung eine sorgfältige Planung und Vorbereitung mittels bewährter Checklisten vorausgeht.

2. Existenzgründung als selbständiger Freiberufler

Die Existenzgründung als selbständiger Freiberufler ist von der vorgenannten gewerblichen Unternehmensgründung mit eigener Geschäftsidee zu unterscheiden, auch wenn sich beide Wege in der Vorbereitung sehr ähnlich sind. Ferner ist diese Alternative nicht zu verwechseln mit der Existenzgründung als freier Mitarbeiter (Freelancer), die häufig im Rahmen kurz- oder mittelfristiger Projekte mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten und dort mehr oder weniger in die Arbeitsabläufe eingebunden sind.

Die Existenzgründung als selbständiger Freiberufler ist

  • nur mit entsprechender Ausbildung und
  • nur in den gesetzlich ausdrücklich genannten freien Berufen, in ähnlichen oder künstlerischen Berufen möglich (vgl. § 18 EStG).

Da Freiberufler gegenüber den gewerblich tätigen Unternehmern allerlei Vorteile genießen, ist im Zweifel vor Aufnahme der jeweiligen Tätigkeit zu klären, ob es sich hierbei um eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit handelt.

Leider gibt es nach wie vor keine gesetzlich verbindlichen Regeln zur Einordnung aller denkbaren Tätigkeiten und die Aufzählung der freien Berufe in § 18 EStG ist ebenfalls nicht abschließend. Vielmehr ist der Begriff der "freien Berufe" nach Auffassung des BVerfG soziologischer Natur, d.h. nicht eindeutig abgrenzbar und einem stetigen Wandel unterworfen. Das gilt insbesondere für die neuen Berufe, die im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung und im Zusammenhang mit den neuen elektronischen Medien entstanden sind.

Sofern die Existenzgründung nicht in einem der in § 18 EStG ausdrücklich genannten Katalogberufe erfolgt, ist daher im eigenen Interesse vorab eine Entscheidung des zuständigen Finanzamts über die Einordnung der selbständigen Tätigkeit einzuholen.

3. Existenzgründung als freier Mitarbeiter (Freelancer)

In der Praxis erfolgt eine Existenzgründung auch häufig in der Weise, dass jemand regelmäßig im Rahmen kurz- oder mittelfristiger Projekte mit anderen Unternehmen zusammenarbeitet und dort mehr oder weniger in die Arbeitsorganisation bzw. in die vorhandenen Arbeitsabläufe eingebunden ist. Freie Mitarbeiter (Freelancer) stellen daher ihr Wissen und Können meist einem bestimmten Projekt und nur auf bestimmte Zeit zur Verfügung, um anschließend in einem neuen Projekt in einem anderen Unternehmen zu arbeiten. Natürlich ist es auch denkbar, parallel in mehrere Projekte unterschiedlicher Unternehmen eingebunden zu sein. Entsprechende Projekte werden auf sog. Freelancer-Börsen angeboten.

Die Einordnung als freier Mitarbeiter (Freelancer) hat an erster Stelle arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Bedeutung und ist strikt von dem Begriff Freiberufler zu trennen. Das Vertragsverhältnis zwischen Auftraggeber und freiem Mitarbeiter wird regelmäßig mittels eines sog. "Freier-Mitarbeiter-Vertrags" begründet, in dem die Modalitäten der Zusammenarbeit geregelt werden, teilweise auch getrennt in Rahmenvertrag und einzelne Projektverträge. Da sich für die Auftraggeber gegenüber fest angestellten Mitarbeitern zahlreiche Vorteile ergeben, sind freie Mitarbeiter (Freelancer) in fast allen Branchen und Unternehmensgrößen weit verbreitet. Der Begriff des Freelancers hat sich vor allem in den kreativen Branchen und Bereichen IT, Software, Online-Marketing, Kunst und Musik durchgesetzt.

Unabhängig von der Bezeichnung ist mit der Existenzgründung als freier Mitarbeiter in vielen Fällen jedoch das Problem der Scheinselbständigkeit verbunden, das in der Praxis leider nach wie vor zu sehr viel Rechtsunsicherheit führt. Weder die Bezeichnung als freier Mitarbeiter noch der vertraglich dokumentierte Wille zur Einordnung als selbständige Tätigkeit entscheiden darüber, ob jemand unter Berücksichtigung des Arbeits- und Sozialversicherungsrechts alle Kriterien einer selbständigen Tätigkeit erfüllt.

Beispiel:

Ein angestellter Steuerberater erhält das Angebot seines bisherigen Arbeitgebers, zukünftig als freier Mitarbeiter in der Kanzlei zu arbeiten. Im übrigen ändert sich nichts. Alleine die Änderung der Bezeichnung seines Status ändert nichts daran, dass er Angestellter der Kanzlei bleibt, mit allen Rechten und Pflichten eines Angestellten.

Freie Mitarbeiter mit nur einem Auftraggeber müssen sich darüber hinaus mit dem Thema der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht für Selbständige gem. § 2 Nr. 9 SGB VI vertraut machen. Hiernach unterliegen selbständige Unternehmer mit nur einem Auftraggeber der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht, wenn diese

  1. im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und
  2. auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind; bei Gesellschaftern gelten als Auftraggeber die Auftraggeber der Gesellschaft.
Es handelt sich um eine gesetzliche Regelung, die ohne Begrenzung auf bestimmte Branchen oder Berufsgruppen auf
  • freie Mitarbeiter,
  • Freiberufler,
  • Freelancer oder
  • Subunternehmer

anzuwenden ist.

4. Nebenberuflich selbständig

Zahlreiche Existenzgründer entscheiden sich dafür, zunächst im Rahmen einer nebenberuflichen Selbständigkeit

  • sich selbst als selbständige Unternehmer und
  • die Geschäftsidee

neben einem festen Job am Markt zu testen und ggf. zu etablieren. Insbesondere unter Frauen ist dieser (Um-)Weg in die Selbständigkeit sehr verbreitet. Typische Konstellationen sind Teilzeit-Angestellte in einem Unternehmen, Schüler und Studenden sowie Hausfrauen mit Kindern, die sich nebenbei selbständig machen und ein eigenes Unternehmen gründen und aufbauen wollen. 

Die typischen Probleme und Fragestellungen der nebenberuflichen Selbständigkeit betreffen die Bereiche

  • Arbeitsrecht,
  • Sozialversicherungsrecht und
  • Steuerrecht

und werden z.B. auf dieser Seite zur Existenzgründung und Selbständigkeit darstellt.

5. Unternehmenskauf

Der Unternehmenskauf ist gegenüber der Neugründung eines Unternehmens oder der Existenzgründung als Freiberufler deutlich komplizierter, weil hier Regelungen aus verschiedenen Rechtsbereichen zu beachten sind, insbesondere aus dem Steuerrecht. Schwierig ist regelmäßig auch die Ermittlung eines angemessenen Kaufpreises, da es für die Unternehmensbewertung verschiedene Varianten gibt und diese vor allem auf der subjektiven Einschätzung der Beteiligten hinsichtlich der zukünftigen Ertragsmöglichkeiten beruhen.

Der Unternehmenskauf ist vor allem dann eine erfolgversprechende Variante mit vielen Vorteilen, wenn leitende Angestellte aus dem Unternehmen daran beteiligt sind. In diesen Fällen kennen die Käufer das Unternehmen mit all seinen Stärken und Schwächen, so dass die Chancen (eingearbeitete Mitarbeiter, gefestigte Lieferanten- und Kundenbeziehungen, bereits vorliegende Unternehmenszahlen aus vergangenen Jahren) die Risiken (z.B. Altlasten, neue technische Entwicklungen, neue Konkurrenten, Veränderungen bei Einkaufs- oder Verkaufspreisen) überwiegen. Nichtsdestotrotz müssen sich die Käufer auch hier fragen, ob Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten auch mit den neuen Inhabern bzw. Geschäftsführern zusammenarbeiten wollen.

Der Unternehmenskauf wird meist durch einen Letter of Intent eingeleitet, in dem der Käufer sein Interesse am Kauf des Unternehmens bekräftigt. Daran schließt sich regelmäßig eine Due-Diligence-Prüfung mit Hilfe eines Rechtanwalts und/oder Wirtschaftsprüfers an, die auf eine systematische Erfassung der Stärken und Schwächen des Unternehmens gerichtet ist, verbunden mit einer Ermittlung der Risiken und einer fundierten Unternehmensbewertung. Im Anschluß an die Due-Dilligence-Prüfung folgen die Verhandlungen über den Inhalt des Kaufvertrages (Muster Kaufvertrag zum Unternehmenskauf). Handelt es sich um den Kauf von Beteiligungen an einer GmbH, einer Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder einer GmbH & Co. KG, muss der Kaufvertrag (Muster Kaufvertrag Beteiligung) zwingend notariell beurkundet werden.

6. Unternehmenspacht

Für Existenzgründer mit wenig (Eigen-)Kapital bietet sich auch die Alternative der Unternehmenspacht an. In der Praxis ist dies bei

  • Handwerksbetrieben (Muster Pachtvertrag für Handwerksbetriebe) und
  • Gaststätten (Muster Pachtvertrag für Gaststätten)

häufig der Fall. Der Pächter führt das Unternehmen fort und zahlt hierfür eine laufende Pacht an den Verpächter. Oftmals schließt sich an die vereinbarte Laufzeit des Pachtvertrages ein Unternehmenskauf an, zum Teil mit Anrechnung der bezahlten Pacht auf den Kaufpreis. Die Vorteile für den Pächter liegen auf der Hand. Die Kosten beschränken sich auf die üblichen Aufwendungen des laufenden Geschäftsbetriebs, die auf Grundlage der vergangenen Jahresabschlüsse relativ sicher eingeschätzt werden können. Hinzu kommen nur die laufenden Pachtzahlungen, so dass das zukünftige Einkommen recht genau eingeschätzt werden kann.

7. Franchising

Franchising ist ebenfalls eine interessante Alternative, um sich mit einer bewährten Geschäftsidee selbständig zu machen, vorausgesetzt, die vertraglichen Rahmenbedingungen sind klar definiert. Als Existenzgründer muss man nicht immer das Rad neu erfinden, da es bereits viele bewährte Geschäftsmodelle und -konzepte am Markt gibt, mit denen sich Geld verdienen lässt. Der Einstieg in ein funktionierendes und bewährtes Franchise-System ist daher eine echte Alternative zur Unternehmensgründung mit eigener Geschäftsidee.

Franchising ist ein gesetzlich nicht näher geregeltes Unternehmenskonzept, bei dem

  • ein Franchisegeber dem Franchisenehmer die regionale Nutzung
  • eines bestimmten Geschäftskonzepts bzw. bestimmter Warenzeichen, Warenmuster oder Geschmacksmuster
  • entgeltlich gegen Bezahlung vertraglich vereinbarter Franchisegebühren zur Verfügung stellt.

Ein bekanntes Beispiel ist das Franchise-System McDonald’s, bei dem die einzelnen McDonald`s Filialen weltweit in Bezug auf Organisation, Produktpalette und Design nahezu identisch in Erscheinung treten. Weitere prominente Beispiele aus der Systemgastronomie sind BurgerKing und Subway, aus der Hotelerie Accor (u.a. mit Ibis, Mercure, Sofitel, Dorint) oder die Autovermietung Hertz im Bereich der Dienstleistungen.

Herz und Seele eines jeden Franchise-Konzepts ist der Franchisevertrag, in dem für beide Parteien von Anfang an klar und verbindlich zu regeln ist, welche Rechte und welche Pflichten damit verbunden sind. Für den Inhalt des Franchisevertrages gibt es in Deutschland keine rechtlichen Vorgaben, d.h. es besteht weitestgehende Vertragsfreiheit. Bei den meisten Franchise-Systemen kann der Franchisenehmer jedoch davon ausgehen, dass die Verträge ausgefeilt und bereits viele Male eingesetzt wurden. Nichtsdestotrotz ist es immer empfehlenswert, den Franchisevertrag durch einen Rechtsanwalt prüfen zu lassen, um etwaigen Auslegungsfragen oder Differenzen vorzubeugen. Das ist auch schon deshalb ratsam, da bei vielen Franchise-Systemen auch nicht unerhebliche Investitionen verbunden sind.

8. Existenzgründung als Handelsvertreter

Eine Existenzgründung als Handelsvertreter ist vor allem für erfahrene Vertriebsleute eine interessante Alternative, um sich selbständig zu machen. Erfolgversprechend ist eine solche Existenzgründung insbesondere dann, wenn sie in einer Branche erfolgt, in der langjährige Erfahrungen und vielseitige Kontakte zu potentiellen Kunden und Lieferanten bestehen. Die notwendigen Investitionen eines Handelsvertreters beschränken sich in der Regel auf ein eigenes Fahrzeug und eine moderne EDV-Ausstattung, wobei beides auch geleast werden kann.

9. Beteiligung an bestehendem Unternehmen

Hinsichtlich der Beteiligung an einem bestehenden Unternehmen kann man zunächst auf die Ausführungen zum Unternehmenskauf verweisen. Anders als dort muss der Existenzgründer bei der Beteiligung an einem bestehenden Unternehmen zusätzlich berücksichtigen, dass der Erfolg des Unternehmens nicht nur von seinen eigenen Entscheidungen abhängig ist.

10. Existenzgründung im Wege der Unternehmensnachfolge

Neben der voll entgeltlichen Übertragung (vgl. Unternehmenskauf) ist auch eine teilentgeltliche oder eine unentgeltliche Übernahme des Unternehmens denkbar, die meist von den Eltern auf eins oder mehrere Kinder erfolgt. Bei der Übergabe eines Unternehmens im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge muss gegebenenfalls der Anfall von Schenkungssteuer berücksichtigt werden. Eine steuerrechtliche Beratung der Beteiligten ist daher dringend anzuraten.

Merken

GmbH Gründung Existenzgründung Freiberufler Nebenberuflich Selbständig freier Mitarbeiter Unternehmenskauf Unternehmenspacht Franchise Handelsvertreter Beteiligung Unternehmensnachfolge Selbständigkeit scheinselbständig

Copyright © 2017 finasco.de. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.