Selbständig machen mit richtiger Rechtsform

Wer sich mit einer Geschäftsidee selbständig machen will, steht früher oder später vor der Frage, in welcher Rechtsform das Startup am besten zu realisieren ist. Bei der Wahl der richtigen Rechtsform müssen Existenzgründer eine Vielzahl von Kriterien berücksichtigen, von denen die wichtigsten nachfolgend vorgestellt und erläutert werden. 

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die nachfolgenden Entscheidungskriterien je nach Einzelfall durchaus eine unterschiedliche Gewichtung haben können. Neben den persönlichen Eigenschaften der Existenzgründer und der Qualität der Geschäftsidee spielt die Rechtsform des Unternehmens eine nicht unwesentliche Rolle für die Zukunftschancen und Erfolgsaussichten des Startups. Anhand der wichtigsten Kriterien bei der Rechtsformwahl will ich Existenzgründern eine Art Checkliste an die Hand geben, um aus dem Katalog der vorhandenen Rechtsformen letztendlich die richtige für das eigene Vorhaben auzuwählen.

Inhalt:

  1. Anzahl der Gründer
  2. Gründungskosten und -formalitäten
  3. Notwendiges Eigen- bzw. Startkapital
  4. Möglichkeiten der Firmierung
  5. Haftung und Haftungsbeschränkung
  6. Unternehmensleitung- und kontrolle
  7. Finanzierung und Aufnahme von Investoren
  8. Besteuerung und Steuerbelastung
  9. Flexibilität bei der Unternehmensführung
  10. Sicherung des Unternehmensbestandes
  11. Mitbestimmungsrechte der Mitarbeiter
  12. Offenlegungspflichten
  13. Exit bzw. Unternehmensverkauf
  14. Im Krisenfall
  15. Sonstige Kriterien

1. Anzahl der Gründer

Die Anzahl der beteiligten Gründer gehört zu den zentralen Kriterien, anhand derer man schon eine erste Vorselektion aus dem Katalog der Rechtsformen vornehmen kann.

Ein einzelner Existenzgründer ohne weitere Partner steht in der Regel vor der Entscheidung zwischen einem Einzelunternehmen oder der GmbH, die ebenfalls durch eine Person als 1-Mann-GmbH (oder als 1-Frau-GmbH) gegründet werden kann. Alternativ steht auch die UG (haftungsbeschränkt) oder die (kleine) Aktiengesellschaft zur Verfügung.

Die Personengesellschaften (mit Ausnahme der GmbH & Co. KG) bleiben einem alleinigen Existenzgründer dagegen verschlossen, da diese eine Mindestanzahl von 2 Gesellschaftern voraussetzen.

2. Gründungskosten und -formalitäten

Je nach Rechtsform fallen unterschiedliche Gründungskosten im Zusammenhang mit der Unternehmensgründung an. Tendenziell sind die Gründungskosten bei den Kapitalgesellschaften höher als bei einem Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft. 

Die Gründungskosten eines Einzelunternehmens beschränken sich in der Regel auf die Kosten der Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde oder Stadt. Bei den Personengesellschaften sind die Gründungskosten in erster Linie davon abhängig, ob für die Gestaltung des Gesellschaftsvertrages ein Rechtsanwalt zu Rate gezogen wird oder nicht. In jedem Falle ist zumindest die Schriftform des Gesellschaftsvertrages zu empfehlen, auch wenn es "nur" um den Gesellschaftsvertrag einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts geht. Im Falle der Personenhandelsgesellschaften (OHG, KG) sind daneben auch die Kosten für Anmeldung und Eintragung ins Handelsregister zu berücksichtigen.

Die Gründungskosten einer GmbH (oder UG haftungsbeschränkt) sind in erster Linie von der Zahl der Gründungsgesellschafter und von der Höhe des Stammkapitals abhängig. Im wesentlichen handelt es sich um die Kosten der notariellen Beurkundung der Satzung, die sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) bestimmen, das am 01.08.2013 in Kraft getreten ist. Hinzukommen die Kosten für die Anmeldung und Eintragung ins Handelsregister. In der Summe muss man bei einer GmbH mit einem Stammkapital in Höhe von EUR 25.000,00 und zwei Gesellschaftern mit Gründungskosten in Höhe von rund EUR 1.000,00 rechnen. 

3. Notwendiges Eigenkapital bzw. Startkapital

Während das Einzelunternehmen und die Personengesellschaften (mit Ausnahme der GmbH & Co. KG) ohne nennenswertes Eigenkapital bzw. Startkapital gegründet werden kann, müssen die Kapitalgesellschaften sowie die GmbH & Co. KG mit einem Grundstock an Kapital ausgestattet werden. Bei der GmbH (bzw. UG haftungsbeschränkt) spricht man vom Stammkapital, bei der Aktiengesellschaft von Grundkapital.

Die UG (haftungsbeschränkt) kann gem. § 5 Abs. 1 GmbHG theoretisch bereits mit einem Stammkapital von 1 Euro gegründet werden, was in der Praxis jedoch nicht zu empfehlen ist. Nach § 5a Abs. 2 GmbHG darf die Anmeldung zur Eintragung der Gesellschaft ins Handelsregister erst dann erfolgen, wenn das im Gesellschaftsvertrag festgelegte Stammkapital in voller Höhe bar eingezahlt ist. Sacheinlagen sind hier ausgeschlossen.  

Das Stammkapital der GmbH muss mindestens EUR 25.000,00 betragen. Sofern im Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt ist, müssen die Einlagen der Gesellschafter in bar erfolgen und vor Eintragung der Gesellschaft ins Handelsregister zumindest zur Hälfte erbracht sein. Sollen die Einlagen in Form von anderen Vermögensgegenständen erbracht werden (= Sacheinlagen), muss dies im Gesellschaftsvertrag ausdrücklich geregelt werden. Zulässig ist auch eine Mischung aus Bar- und Sacheinlagen.

Zur Errichtung einer Aktiengesellschaft ist ein Grundkapital in Höhe von EUR 50.000,00 erforderlich.

4. Möglichkeiten der Firmierung

Von der Rechtsform ist auch die Firmierung des Unternehmens abhängig. Die Firma bzw. der Firmenname ist gem. § 17 Abs. 1 HGB der Name, unter dem der oder die Unternehmer im Rechtsverkehr auftreten und ihre Unterschrift(en) leisten. Der Firmenname muss grundsätzlich zur Kennzeichnung des Unternehmens geeignet sein, ausreichende Unterscheidungskraft besitzen und darf keine irreführende Angaben enthalten.

Ein Einzelunternehmer tritt grundsätzlich unter seinem eigenen Namen im Geschäftsverkehr auf, bestehend aus dem Vor- und Zunamen. Beschreibende Zusätze sind zulässig, jedoch nur in Ergänzung des vollen Vor- und Zunamen des Einzelunternehmers. Im Falle eines Handelsgewerbe gem. § 1 HGB oder bei "freiwilliger" Eintragung des Einzelunternehmens im Handelsregister, kann auch ein abweichender Firmenname gewählt werden, jeweils mit dem Zusatz „eingetragener Kaufmann“ oder abgekürzt „e.K.“.

5. Haftung und Haftungsbeschränkung

Für sehr viele Unternehmer ist die Haftung bzw. die Haftungsbeschränkung auf das Unternehmensvermögen existentiell wichtig, insbesondere dann, wenn einzelne Gesellschafter(-gruppen) keinen Einfluss auf den oder die Geschäftsführer haben (wollen). Die Frage der Haftung ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn aus dem Unternehmen Risiken entstehen, die nicht durch Versicherungen abgedeckt werden können. Die Notwendigkeit einer Haftungsbeschränkung kann auf der anderen Seite jedoch auch gering sein, wenn sich aus dem Geschäftsbetrieb nur wenige Risiken ergeben oder diese vollständig durch Versicherungen abgedeckt werden können.

6. Unternehmensleitung und Kontrolle

Erfolgt die Leitung des Unternehmens durch den oder die Gründer eigenverantwortlich und selbst oder wird (früher oder später) eine Leitung durch einen Fremdgeschäftsführer angestrebt? Vor allem bei schnell wachsenden Unternehmen oder im Vorfeld eines Generationenwechsels ist es von erheblichem Vorteil, wenn die Rechtsform eine solche Fremdgeschäftsführung zulässt und ausreichende Werkzeuge zur effektiven Überwachung der Geschäftsführung effektiv zur Verfügung stehen. Hier wird der Unterschied zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften wichtig, da Personengesellschaften i.d.R. auf die Mitarbeit der Gesellschafter gegen Gewinnbeteiligung angelegt ist, während bei Kapitalgesellschaften die Beteiligung am Kapital und die Kontrolle der Geschäftsführer bzw. des Vorstands im Vordergrund steht.

7. Finanzierung und Aufnahme von Investoren

Bei der Wahl der richtigen Rechtsform sind auch die Anforderungen an eine bestimmte Eigenkapitalausstattung und die Möglichkeiten zur Erweiterung der Kapitalbasis sowie die möglichen Formen und Grenzen einer (Fremd-)Finanzierung zu beachten. Können die Gründer von Anfang an eine ausreichende Kapitalbasis zur Verfügung stellen? Benötigen die Gründer Zugang zum Kapitalmarkt in Form einer Beteiligungsfinanzierung? Sollen weitere Investoren zu Beginn oder später kapitalmäßig am Unternehmen beteiligt werden?

8. Besteuerung und Steuerbelastung

Das deutsche Steuerrecht ist nicht rechtsformneutral, d.h. die Besteuerung des Unternehmens und der Gründer ist zunächst von der gewählten Rechtsform abhängig. Steuerliche Rechtsformvergleiche beschäftigen bereits seit langem die Fachleute. Sind in der Gründungsphase Verluste zu erwarten, wäre eine Verlustverrechnung mit anderen positiven Einkünften sinnvoll. Handelt es sich um ein überdurchschnittlich ertragreiches Unternehmen?

9. Flexibilität bei der Unternehmensführung

Heutzutage werden bereits von Beginn an hohe Anforderungen an die Flexibilität des Unternehmens und der Gesellschafter gestellt. Globalisierung, Gesetzesreformen, Steuerreformen, Internationalisierung der Geschäfte sind nur einige Stichwörter. Inwieweit sind spätere Änderungen des Gesellschaftsvertrages oder sonstiger Verträge zwischen Unternehmen und Gesellschafter erforderlich? Besteht auf Seiten der Gründer ausreichende Kenntnis und Akzeptanz bezüglich der Anforderungen an die strikte Trennung zwischen Gesellschaftsvermögen und privatem Vermögen bei Kapitalgesellschaften?

10. Sicherung des Unternehmensbestandes

Unternehmen sind regelmäßig auf Dauer angelegt, so dass die Gründer auch langfristige Bindungen eingehen, beispielsweise durch einen langfristigen Mietvertrag. Hier gilt es, das Unternehmen langfristig vor dem Zugriff von außen, aber auch vor dem vorzeitigen Zugriff von Gesellschaftern und Kapitalgebern zu schützen, idealerweise bereits durch die Gestaltung der Rechtsform. Ferner muss vielleicht auch die qualifizierte Unternehmensleitung langfristig gesichert werden. Ist beispielsweise damit zu rechnen, dass in der Gründungsphase das Kapital aufgezehrt wird?

11. Mitbestimmungsrechte der Mitarbeiter

Die betriebliche Mitbestimmung im Hinblick auf die sozialen und personellen Angelegenheiten im Unternehmen sind rechtsformneutral ausgestaltet. Bei mehr als 5 wahlberechtigten Arbeitnehmern ist nach dem Betriebsverfassungsgesetz ein Betriebsrat zu bilden

12. Offenlegungspflichten

13. Exit bzw. Unternehmensverkauf

14. Im Krisenfall

15. Sonstige Kriterien

Der oben angeführte Katalog ist natürlich nicht abschließend, sondern auch vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Es mag auch Unternehmen geben, die geradezu eine gewisse Rechtsform verlangen, weil dies eben so Tradition oder branchenüblich ist. Seien Sie jedoch mit diesen Mutmaßungen vorsichtig und zurückhaltend. Im Gegenteil hierzu kann eine bestimmte Rechtsform auch branchenüblich von Nachteil sein.

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